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Mein Blog ruht zur Zeit! Ich kann mein Tablet nicht mehr benutzen, weil offenbar das Ladegerät nicht mehr funktioniert. Während Lothars Besuch hier in Kairo versuchten wir, das Problem des Tablets zu lösen. Das ist eine ägyptische Geschichte und die geht so:

Im Internet fanden wir die Adresse des Lenovo-Service in Kairo. Mit Metro und Taxi fanden wir die Firma. Auskunft: "Wir sind nicht für Lenovo Thinkpad zuständig." und man gab uns 2 Adressen. Mit dem Taxi fuhren wir zu der einen der beiden Adressen (man muss dazu sagen, dass die Taxi-Fahrer sich meist nicht auskennen, sondern sich in der Nähe des Ziels durchfragen), dort war auch ein kleiner Service-Betrieb und der fand heraus, dass das Tablet noch funktioniert, vermutlich also das Ladegerät defekt ist. In der Nähe sei ein Laden, der uns sicher helfen könne. In dem Laden wurden wir zu einer Computer-Mall geschickt, etwa 10 min zu Fuss entfernt. Die Mall bestand aus vielen kleinen Computer-Läden. Im ersten Laden fanden sie heraus, dass das Netzkabel funktioniert, aber aus dem Ladegerät offenbar kein Strom kommt. Wir müssten zum Lenovo-Service und sie hatten eine Adresse. Das war nicht der Lenovo-Service, den wir schon besucht hatten, sondern die zweite Adresse, die wir dort erhalten hatten. Der Laden bestellte uns ein Uber-Auto (das hat den Vorteil, dass der Fahrer das Ziel kennt und per Navi anfahren kann). An der Adresse war der Service allerdings nicht mehr - umgezogen - aber der Uber-Fahrer fand die neue Adresse durch Fragen und Telefonieren heraus und brachte uns hin. In diesem zweiten Lenovo-Service erfuhren wir, dass sie ein solches Tablet und ein solches Ladegerät in ganz Ägypten noch nie gesehen hätten und dass es daher auch keinen Ersatz für das Ladegerät gebe. Da waren 4 - 5 Stunden vergangen, ohne Lösung des Problems.

Deshalb ruht der Blog - leider.

 Ich bemerkte soeben, dass ich meinen letzten Blogbeitrag vor mehr als einem Monat gemacht habe. Das hat natürlich seine Gründe.

Erstens war ich sehr beschäftigt im November. Ich wollte meine Ausstellung so weit wie möglich vorbereitet haben vor Lothars Ankunft am 7. Dezember. 

Zweitens mussten wir nun zweieinhalb Wochen aufs Internet verzichten. Die Insel wurde an das Glasfasernetz angeschlossen und deshalb wurde uns einfach der Hahn zugedreht. Seit Vorgestern sind wir nun wieder mit der Welt verbunden.

Wie die Dinge hierzulande funktionieren ist nun grad mein heutiges Thema. Also: Telefon und Internetleitungen sind fliegende Kabel. Die "big box" ist oben auf dem höheren Nachbarhaus. Von da gibt es fliegende Kabel zu unserer Dachterrasse und von da geht unser Kabel durch ins Mauerwerk gebohrte Löcher, ins Parterre zu einer malerischen Empfangsinstallation. Bisher war die Internetverbindung ziemlich stotternd, je nach Wetter oder was weiss ich, hatten wir Verbindung oder eben nicht. Das Beste war, als der Nachbar anfing ein Gerüst aufzustellen, weil er sein Haus ausbauen will. Den Arbeitern war unser frei hängendes Kabel im Weg - sie schnitten es kurz entschlossen durch! Bis wir dann merkten, dass es doch ein bisschen lange dauert mit dem Unterbruch und unser guter Sämmän (er hält das Haus einigermassen in Schuss) auch grad noch frei hatte dauerte es wieder mal 2-3 Tage bis der Grund der Störung herausgefunden war. Das Internetkabel ist mittlerweile an mindestens 3-5 Stellen durch die zusammengedrehten, blanken Drähte wieder ganz! Diese Stellen sind, nach alter Väter Sitte, mit schwarzem Isolierband umwickelt.

 

 

Auch meine letzten Arbeiten an meinen Ausstellungsstücken gingen, mühsamer als gedacht, voran. Um 3 Stehlen oder Sockel zu bauen, brauchte ich Tischlerplatten, Nägel, Farbe und einen Roller. Sämmän, der weiss, wo sowas zu kaufen ist hat mich begleitet. In der Nähe der uns nächstgelegenen Metrostation ist ein kleines Stadtviertel mit mehreren Anbietern von Holzprodukten wie Balken, Latten, Tischlerplatten etc. Man kann da auch auf Mass sägen lassen - na ja, ungefähr auf Mass!

Wir sind also zum Holzplatten Anbieter. Die Sägerei war offen, der zuständige Mann jedoch nirgends. Wir warteten eine Weile, dann fragten wir den Nachbarn - dieser wiederum rief dem auf der anderen Strassenseite die Frage zu und der schickte einen Gehilfen um die Hausecke. Endlich kam der Mann angeschlurft und Sämmän erklärte ihm meine Bestellung. Ich wollte 1 cm dicke Tischlerplatten. Es gab aber nur 2 cm dicke am Lager. Die wollte er mir dann andrehen. Mit 1 cm Dicke gabs nur verkrümmte Sperrholzplatten. Nach länglichen Verhandlungen und allerlei anderen Platten, die empfohlen wurden, entschloss ich mich doch die Tischlerplatte zusägen zu lassen. Die Stehlen sollen einen Grundriss von 26x26 cm haben und ein Deckblatt von natürlich auch 26x26 cm. Ich habe die Masse dann noch mit arabischen Zahlen auf meinen Zettel geschrieben so, dass der Mann sie auch lesen konnte. Bemerkenswert war, dass der Mann mich als Kundin (Frau?) keines Blickes würdigte und stets nur mit Sämmän sprach. Auch nachmessen etc. sollte Sämmän. Der dann wieder mich aufforderte das zu tun. Erst schnitt unser Säger die Seitenteile zu, dann die "quadratischen" Deckelteile. Als ich kontrollierte war das Mass in der einen Richtung 26.1 cm und in der anderen 26.3 cm. Er überprüfte und bewies wortreich, dass es genau stimmt. Ich war schon fertig mit den Nerven und wollte bloss noch in die Papierwerkstatt um endlich weiter zu machen. Wir liessen ein Taxi rufen und ich erinnerte Sämmän an die Nägel und die Farbe. Er vertröstete mich, wir müssten dieses "outside" kaufen. Mit dem Taxi also Richtung Fustat und ich glaube, er fragte den Taxifahrer unterwegs nach einem Laden mit Nägeln Ausschau zu halten. Der zuckte jedoch nur die Schultern. Im Papieratelier realisierte ich, dass die gebogenen Seitenteile nur mit Leim und Nägeln nie zu einer Stele zusammengefügt werden können. Also zurück nach Gisa um Vierkantleisten zu kaufen, die die Winkel verstärken sollten. Die liessen wir dann noch in Stücke sägen. Zu Fuss wars dann nur einige Schritte nach "outside" - was meinte - vorne an der Hauptstrasse. Ein Lädchen mit Nägeln und Farben gabs da. Sämmän bestellte grosszügig  ein Pfund 3 cm Nägel. Ich protestierte und konnte die Menge auf ein halbes Pfund und die Dimension Auf 2 cm runterhandeln. Es war aber ein hartes Stück Arbeit. Dann Farbe! Sämmän bestellte. Eine Dose wurde auf den Tresen gestellt. Ich fragte, was das für Farbe sei. Weiss - wie gewünscht! Nach kurzem nachfragen stellte sich heraus - selbstverständlich Lackfarbe. Es war nun fast nicht zu begreifen, dass ich Dispersion haben wollte. Schliesslich erhielt ich das von mir gewollte, wir nahmen dann den Minibus zurück nach Hause und ich war total erledigt. Das war Tag 1. Am nächsten Tag wollte Sämmän mir unbedingt helfen, die Stehlen zu bauen. Ich glaube, es hat 3x solange gedauert, als wenn ich es alleine gemacht hätte. Um einigermassen präzise Kanten zu erzielen musste ich mehrmals die von ihm zusammengenagelten Teile wieder auseinandernehmen. Er fand's dann etwas schwierig, mit mir zu arbeiten. Die Deckteile, die dann ja doch einiges zu gross waren und überstehen wollte er dann noch mit dem Cutter zuschneiden oder abschmirgeln. Ich lehnte das ab. Wir schafften es nicht ganz die 3 Stehlen zu bauen bis zum Ladenschluss. Aber Sämmäns Angebot mir nochmals einen Tag zu helfen lehnte ich dankend ab. Er bezweifelte noch, dass ich die Teile selber streichen könne. Ich versicherte ihm aber, dass ich dazu fähig bin.

So bin ich nun leider nicht ganz so weit mit den Vorbereitungen, wie ich das wollte. Aber jetzt geht es dann erst mal auf die Nilfahrt mit Lothar. Wir segeln mit einer Dahabeya von Luxor nach Assuan und zurück.

 

Schon seit mehr als 3 Monaten bin ich jetzt in Kairo und mein Projekt hat sich zu einer Idee für ein Werk entwickelt. Ich werde die Farben mit einer typischen, orientalischen Form zusammenbringen. Es soll eine grosse Arbeit werden, die schlussendlich einen Raum füllen wird, wenn alle Stücke fertig sind - was natürlich wieder mal mehrere Jahre dauern kann. Mehr sage ich an dieser Stelle nicht dazu, aber ich baue an einem Prototypen in der Papiermanufaktur. 

Mein "Arbeitsweg" dauert ca. eine Stunde. Unterwegs bin ich mit dem Fährbötchen über den Nil, zu Fuss zur Metrostation, ich wechsle im Stadtzentrum die Linie und fahre nochmals 4 Stationen weiter ins koptische Viertel und von da gehe ich wieder zu Fuss zur Papiermanufaktur. 

Metro fahren ist ein Erlebnis der anderen Art und sehr physisch. Jeder Zug hat 2 Wagen, die für Frauen reserviert sind und ich steige immer da ein. Wehe es verirrt sich mal ein Mann in diese Wagen! Sobald er es bemerkt, steigt er wieder aus, wenn's noch geht und sonst schaut er beschämt zu Boden bis zur nächsten Station. Ich verstehe ja die Kommentare der Frauen nicht, aber einige haben dann schon was zu sagen zu dem Mann!

Die Metrowagen sind so eingerichtet, dass den Seitenwänden entlang Sitzbänke angebracht sind. Ich glaube ein Wagen hat 4 Türen und dazwischen ziehen sich die Bänke hin auf denen 5 - 6 Personen Platz haben. Älteren Frauen und Müttern mit Kindern oder Ausländerinnen wird meistens bald ein Sitzplatz angeboten, ja manchmal werde ich geradezu genötigt mich hinzusetzen. Da sitze wir dann schon zu fünft auf Tuchfühlung nebeneinander und an der nächsten Station kommt noch eine der fülligen Aishas oder Laylas dazu und quetscht sich auch noch auf die Bank. Alle ruckeln ein bisschen zurecht, machen sich irgendwie schmaler oder dünner und, oh Wunder, die 6. Frau hat auch noch Platz. Falls jemand nicht sitzen kann ist es auch üblich, der vor einem sitzenden Frau die Tasche auf die Knie zu legen oder das Kind kurz zu übergeben, wenn in der Tasche nach etwas gegraben werden muss.

Das verrückteste ist es aber, wenn man zu Stosszeiten fahren muss. Der Bahnsteig ist voller Leute und die Wagen "scheinen" bereits proppenvoll zu sein. Wenn sich die Türen öffnen steigen bei jeder Türe vielleicht 10 Personen aus und gleichzeitig quetschen sich je 20 in den Zug. Manchmal, wenn ich bei El - Nafeza bleibe bis Ladenschluss um 16.30 Uhr, gerate ich in diese sehr physische Erfahrung. Da werde ich dann von hinten kräftig in den Wagen geschoben, muss mich zwischen denen die da drin schon dicht gedrängt stehen durchquetschen und noch versuchen einen Haltegriff zu erwischen. Da stehe ich dann vielleicht auf nur einem Fuss, an mich gedrängt füllige Pos, im Genick eine Tasche und an den Rücken gequetscht einen Busen. Wenn der Zug losfährt muss er meist noch mal kurz und ruckartig bremsen. Die Fahrgäste werden kräftig geschüttelt und plötzlich haben alle ihren Platz. Ich habe schon überlegt, ob die das extra machen. Wenn man ja z. B. Reis in ein Glas füllt und dann ein bisschen schüttelt, arrangieren sich die Körner so, dass noch mehr Reis Platz hat in dem Glas.

Jetzt gibt es natürlich auch heikle oder difficile Dinge die transportiert werden müssen - z. B. Torten in ihren Schachteln oder neugeborene Babies. Die Tortenschachteln werden auf dem nach oben gestreckten Arm über den Köpfen gehalten. Das kann frau mit diesen Kleinstkindern natürlich schlecht auch so machen (Kinder werden ja generell auf dem Arm getragen, Kinderwagen habe ich hier noch nie gesehen). Also schreit die Mutter lauthals, dass man acht geben soll, während sie sich ebenfalls in den Zug quetscht und das Baby natürlich auch anfängt zu schreien weil ihm unwohl wird.  Nun ist also der Wagen total, total, total voll aber es fahren auch die fliegenden Händlerinnen mit. Man glaubt es nicht, aber die schaffen es sich zwischen den dicht an dicht stehenden Körpern hindurch zu schlängeln und ihre Waren zu präsentieren. Wobei sie diese mit durchdringender Stimme auch lautstark anpreisen. Wenn dann so eine Händlerin neben mir losbrüllt, zerfetzt es mir jeweils fast das Trommelfell.

Es hat auch immer wieder mal Frauen, die sich auf den Boden hocken. Mit dem Rücken lehnen sie an den Türen gegenüber der Ein- und Aussteige-Seite. Das Beste, was ich bisher in dieser Hinsicht gesehen habe war eine alte Frau welche in ihrem grossen, flachen Aluminiumbecken sass, in welchem sie Waren transportiert hatte und das jetzt leer war. Diese Becken haben so 80  bis 100 cm Durchmesser und werden samt Inhalt auf dem Kopf balanciert.

Und manchmal ists einfach Afrika! Einmal, als die Metro nicht so voll war, sassen eine Gruppe schwarz gekleideter Frauen und einige Kinder im Kreis, schwatzten und knabberten Sonnenblumenkerne, wie vor dem Zelt in der Wüste. Die Schalen der Kerne spuckten sie in die Gegend und nachdem sie ausgestiegen waren sah es aus wie auf einem verlassenen Lagerplatz. 

Wenn ich eins gelernt habe in Kairo, dann ist es mich beherzt in den Zug zu drängeln. Tu ich's nicht, bin ich verloren und würde wohl eine Stunde später nach Hause kommen.

Ich habe, unauffällig versucht die dicht an dicht wartenden Fahrgäste zu fotografieren. Es ist nämlich strengstens verboten in den Metrostationen Fotos zu machen. Vor einigen Jahren sei ein SKK-Stipendiat eingebuchtet worden, weil er das tat - hat mir Sämän erzählt. Sämän ist unser männliches "Mädchen" für alles. Er musste dann zur Polizei und, mit einer Message der Botschaft, den Künstler wieder auslösen.

Meine letzte Woche war geprägt vom orientalischen Kairo. Bettina hat mich angefragt, ob ich Lust hätte mit ihr und einer ihrer Freundinnen auf Shopping Tour zu gehen. Es sollte zur "City of the Death" und zum Khan Khalili gehen. Natürlich habe ich da sehr gerne zugesagt, denn alleine in den orientalischen Markt zu gehen macht nicht halb so viel Spass, wie mit andern zusammen. Da sie schon lange hier lebt, kennt sie auch entferntere Ecken und Läden oder Ateliers, die im 1.Stock sind. 

Mit dem privaten Taxifahrer, den sie für diesen Tag angeheuert hatte, sind wir los. Begonnen haben wir die Tour in der "City of the Death". Das ist eine riesige Gräberstadt, eigentlich ein Friedhof mit Familiengräbern. Diese Gräber oder Mausoleen müssen bewacht und gepflegt werden und so wohnen halt Wächter und ihre Familien auf den Gräbern. Manche Grabbesitzer überlassen die Mausoleen auch freiwillig armen Familien, die sonst keine Bleibe haben. Natürlich brauchen die auch Infrastruktur. Da gibt's dann eben Werkstätten und Läden und einen Bazaar. Vor allem gibt es eine Tradition, dass die Leute da Glasbläser sind. Bettina brauchte zusätzliche Gläser und sie wollte die beim Glasbläser ihres Vertrauens bestellen. Von der ca 6spurigen Ring Road gings irgendwann rechtwinklig ab, hinein in enge Gassen, zwischen die Mauern der Gräber. Die Gräber sind etwa zimmergrosse ummauerte Flächen, mit Eingangstor, eines am andern wie Reihenhäuser. Links und rechts nur sandfarbene Mauern, da wächst kein Strauch und kein Grashalm. Drei Ecken später sind wir auf einem Platz mit Moschee gelandet. Rundum den Platz sind die Glasbläser Werkstätten und einige Läden. Leider wurde grad kein Glas geblasen, aber wir durften fotografieren und Bettina konnte ihre Bestellung aufgeben.

 

Von da sind wir mit "unserem" Taxi weiter zum Khan Kalili. Es soll der grösste und älteste orientalische Markt sein. Er ist entstanden aus Karawansereien und angegliederten Verkaufslokalen, welche die Kaufleute vorübergehend mieten konnten.

Da wollte Bettina einige Dinge kaufen bei ihr persönlich bekannten Herstellern und Händlern. Der "Einstieg" in diesen Bazaar liegt gegenüber der Al Azhar Moschee. Hier ist das Angebot ziemlich touristisch. Die üblichen ägyptischen Statuen, Schmuck und allerlei Gewebtes werden da feilgeboten, alles Made in China - sagen die Einheimischen! Sobald man sich aber weiter vorwagt in die engen Gassen, wird es echt und man erblickt höchstens noch ein paar Individualtouristen. Da sind die Geschäfte meist Laden und Werkstatt in einem und befinden sich oft auch in der ersten Etage. Um sie zu finden muss man wissen, wo sie sind. 

Bettina brauchte ein Armband vom Silberschmied - 1. Etage, ein Backgammon  Spiel vom Hersteller von Dingen aus Ebenholz und Kamelknochen- ebenerdig, aber am Ende einer Sackgasse und ein rundes Messingtablett für einen orientalischen Teetisch - 1. Etage. Alle diese Werkstätten und wunderbaren Materialien zu sehen, das Handwerk zu bewundern und die Gegenstände in die Hand zu nehmen zu können ist schlichtweg umwerfend für mich. Zum Beispiel der "Ivory und Ebony" Werkstatt-Laden. Alle Gegenstände im Geschäft sind schwarz/weiss. In hohen Glasschränken stehen und liegen Figuren, Dosen, Döschen, Spielbretter und -steine. Es gibt Kämme und Bartpflegebürsten, Spazierstöcke und vieles mehr. Es ist ein einziger Augenschmaus. Die günstigeren Gegenstände sind aus Ebenholz und Kamelknochen, die teuren aus Ebenholz und Elfenbein! 

Zu sagen ist, auch heute sind die Herstellungsmethoden zum Teil immer noch mittelalterlich, es können keine Maschinen durch die engen Gassen transportiert werden. Das Handwerk kommt aus einer langen Tradition, scheint aber langsam verloren zu gehen. Das sagen wiederum die Einheimischen. 

Zum Abschluss der Shoppingtour setzten wir uns in ein Café und stärkten uns mit einem ägyptischen Käse/Gemüse Pancake. Vor der Al Azhar Moschee holte uns "unser" Taxi wieder ab.  

Ich komme mir öfter vor wie Alice im Wunderland, wenn ich in Kairo einen Stadtteil besuche.

 

 

 

 

 

Ui ui ui! Schon sind 2 1/2 Monate um von meinem Kairo Aufenthalt.

In dieser Zeit habe ich mir hier eine Struktur aufgebaut. An 4 Tagen (Sonntag - Mittwoch) reise ich Im Laufe des Morgens mit der Metro zur Papiermanufaktur El - Nafeza und arbeite an meinem Projekt oder helfe bei der Produktion oder bei einem Workshop für Kinder mit. Am Donnerstag ist Wäsche waschen, einkaufen etc angesagt und am Nachmittag ein Museumsbesuch oder was ähnliches. Am Freitag und am Samstag kommt Mina, unser Arabischlehrer, und es gibt je 2 Std Unterricht. Natürlich ist diese Programm nicht stur - das wäre in diesem Land gar nicht möglich. 

Bei El - Nafeza bin ich z. Zt. am Pröbeln wie sich das Reisstrohpapier für meine Papierskulpturen eignet. Die islamische Architektur und ein philosophischer Gedanke im Islam haben mich auf Ideen für Papierskulpturen gebracht. Die Grundform, welche der bei El - Nafeza benachbarte Töpfer gemacht hat stimmte noch nicht ganz. Wir haben die Sache nochmals besprochen und er hat mir eine zweite Form hergestellt, mit der ich sehr zufrieden bin.

Das Forschen nach Pflanzenfarben stockt im Moment, weil ich viel unterwegs bin und das Angebot an Früchten und Gemüse erst jetzt mit der Herbstzeit langsam wechselt. Ich habe aber mittlerweile schon eine stattliche Sammlung von Mustern an der Wand hängen. Das wichtigste ist, dass ich den Herstellungsprozess, die Mischungen und die Mengen genau aufgeschrieben habe. Und weil ich das "Grundrezept" jedes mal anwende kann ich jederzeit weitermachen.

 

Die 2 1/2 Wochen seit meinem letzten Blogeintrag könnten schon schon fast ein ganzes Buch ergeben, wenn ich alles aufschreiben würde.

Knapp 2 Wochen lang bin ich an jedem Werktag (Samstag bis Mittwoch) nach Old Cairo gefahren und habe bei El - Nafeza mitgearbeitet. Ich wollte, dass die Leute mich kennenlernen und ich sie kennenlerne. Sie haben eine Bestellung aus USA in Produktion. Ausserdem stellten sie Weihnachtsgirlanden auf Vorrat her. Da habe ich also Tannenbäumchen, Sterne, Monde und Herzen ausgeschnitten 😂. Eine schöne, würfelförmige Schachtel, die ich vor Jahren für meine Papiermaché Kurse entwickelt hatte, habe ich nachgebaut. Die El - Nafeza Leute können sie in ihre Produktepalette aufnehmen, wenn sie wollen. Sie sind stets auf der Suche nach neuen Ideen.

Etwa nach einer Woche haben sie darauf bestanden, dass ich Papier schöpfe und mit Tee als Farbe experimentiere. Die Papierherstellung geht so:

Der Reisstroh wird einige Tage in einer wassergefüllten Grube eingeweicht. Das ergibt eine halbverrottete, nach Gülle stinkende Angelegenheit. Diese wird dann mit neuem Wasser in ein halbiertes Ölfass gefüllt und etwa 5 Stunden gekocht.

 

In weiteren mühsamen Prozessen  wird die Masse mit Füssen getrampelt, gespült, mechanisch in Fasern zerteilt, wieder gespült und mit Füssen getrampelt, bis das aus der Masse austretende Wasser klar ist. Nun ist der Papierbrei bereit zu Blättern geschöpft zu werden. In diesem Fall haben sie Farbe zugegeben und blaues Papier gemacht.  

Mit Enas habe ich meine Idee für eine Kairopapierskulptur besprochen. Gleich sind wir zum Töpfer nebenan gegangen um zu fragen, ob er eine Grundform nach meiner Vorstellung machen kann. Er war einverstanden und Mitte letzter Woche hat er die Form getöpfert. Morgen oder übermorgen soll sie fertig sein. Ich bin gespannt. 

Um das Papier auf meine gewohnte und für meine Arbeit benötigte Art zu schöpfen und zu bearbeiten, brauche ich allerdings noch ein paar in Kairo ungewöhnliche Materialien, wie Filz und Schablonenpinsel.

Der Versuch diese Sachen zu finden und zu kaufen ist eine Story für sich.

Der gehörlose Mahmud wusste angeblich, in welchem Stadtteil und auf welchem Markt so was zu finden ist - nämlich in Ataba. Er, Randa, sie kann hören und sprechen und kann auch ziemlich gut englisch, und ich sind also eines Tages um 16 Uhr los. Um nach Ataba zu gelangen, nahmen wir den Bus. Das war vielleicht ein Erlebnis! Im ruhigen, koptischen Viertel Fustat gings ja noch, wie aber der  Bus sich dem Zentrum näherte und der Verkehr dichter wurde wars dann schon etwas exotisch mit der Busfahrt. Öfter musste der Fahrer die Spur wechseln, sei es zum Abbiegen oder zum Überholen und das war dank teilweises stockendem Verkehr jeweils ein einziger Verdrängungswettbewerb. An einer Stelle drängte der Bus nach rechts, cm für cm. Die Kolonne rechts vom Bus war eingekeilt zwischen unserer Kolonne und einer Mauer. Unser Bus drängte immer mehr nach rechts und das vorderste Auto rechts vom Bus wurde allmählich zwischen Bus und Mauer eingeklemmt. Ich habe es erst realisiert, als laute Faustschläge auf Blech an der rechten Seite des Busses erdröhnten. Der Autofahrer fluchte schreiend aus dem offenen Fenster. Der Busfahrer flucht zurück und nun wurde es dem Automobilisten zu bunt. Er stieg aus, kam nach vorn, zur offenen Bustüre und stauchte den Busfahrer persönlich zusammen. In dem Moment setzte sich die Kolonne wieder in Bewegung und der Bus fuhr los. So weiss ich nun nicht was aus dem Autofahrer wurde. Zum Ganzen muss man sich noch unablässiges Hupen und dichte, schwarze Abgaswolken vorstellen.

In Ataba angekommen, sprangen wir aus dem langsam weiterfahrenden Bus und tauchten ein in ein Gewirr von Gassen und Läden und Werkstätten. Ausser uns bewegten sich da tausende von anderen Käufern und Waren wurden auf Schubkarren angeliefert oder aufgestapelt auf einem Kopf transportiert. Wir fragten uns durch nach Schablonenpinseln und Filz. Jeder hatte eine Idee und eine Wegbeschreibung um 7 Ecken zu einem Laden, der sowas wahrscheinlich im Angebot haben könnte. Wenn wir dann im entsprechenden Laden nachfragten gabs bedauerndes Kopfschütteln und neue Vorschläge und Wegbeschreibungen um 7 Ecken. Wenn ich da ohne ortskundige Führung gewesen wäre, würde ich wohl heute noch durch diese Gassen irren.

Also kurz und gut, in einem einzigen Lädchen erhielten wir ein 3er Set niedliche, kleine Schablonenpinselchen. Die habe ich gekaufte um wenigstens einen Anfang machen zu können. 2 Ecken weiter gabs dann eine Gasse mit Stoffen und jeder Laden hatte Filz in allen Farben. Aber leider ist der aus Polyester und ich war skeptisch ob es damit funktioniert. Vom dicksten Filz den ich finden konnte kaufte ich ein paar Meter um mal damit zu probieren.

Am folgenden Tag hat sich meine Befürchtung wegen dem Kunstfaserfilz bestätigt. Es war fast unmöglich das frischgeschöpfte Blatt Papier auf den Filz zu übertragen. Er saugt kein Wasser und das Blatt bleibt am Schöpfsieb kleben. Mal schauen, ob und wie ich das hinkriege.

Auch hier auf der Insel ist der Alltag mit Hindernissen gespickt. Für 2 Tage hatten wir keinen Internetzugang, irgendwas war am "Telefonkabel" kaputt gegangen. Und gestern ist die Wasserversorgung  ausgefallen, konnte aber vom Mann für alles, Sayed, wieder zum Laufen gebracht werden. Heute war schon wieder für eine halbe Stunde kein Wasser da und nun kommt angeblich Nilwasser aus dem Hahn und kein Leitungswasser. Das Problem liegt bei der städtischen Wasserversorgung. Gut haben wir in der Küche so einen professionellen Bürowasserspender für Trinkwasser. Aber natürlich muss unser guter Sämmän jede 20 L- Flasche auf seiner Schulter vom Fährbötchen zum Haus buckeln. Wir sind alle enorm dankbar, dass er das macht.

Langsam entsteht hier so etwas wie Alltag.

Mein Projekt ist gut unterwegs, ich habe schon über 60 Farbmuster an der Wand hängen. Das Farbenprojekt wird nun aber für eine Weile ruhen. Endlich, nach einem Monat habe ich den Kontakt gefunden zur Managerin von der El Nafeza Papiermanufaktur. Das ist eine Non Profit Organisation und die Managerin, Enas (Sprich in etwa Ènäs) hat das ganze gegründet. In erster Linie wollte sie einen Beitrag leisten zur gesünderen Umwelt. Im Herbst wird in Ägypten nämlich der ganze Reisstroh auf den Feldern verbrannt, was eine einzige, wochenlange, riesige Rauchwolke erzeugt. Zweitens wollte sie Arbeitsplätze schaffen für handicapierte Menschen und junge Dorfmädchen, die sonst keinerlei eigene Erwerbsmöglichkeit hätten. Der grösste Traum von Enas ist, dass jede Schule in ganz Ägypten ihr eigenes Papier herstellen würde. Umweltverschmutzung und Arbeitslosigkeit wären damit erheblich vermindert. Die Realität sieht etwas anders aus. Ein Atelier in Old Cairo (Fustat) mit einer Belegschaft von einigen gehörlosen Menschen und internationalen Volontären. Sie schöpfen Papier, bedrucken es mit Siebdruck und stellen Produkte wie Notizbücher, Karten und Couverts, Tüten, Taschen, Schachteln und Girlanden her. Die Produkte werden auch in verschiedene Länder exportiert.

Am letzten Dienstag habe ich den ganzen Tag bei El - Nafeza verbracht. Ich habe Enas über ihre Arbeit und ihre Pläne ausgefragt und sie hat mir sofort angeboten das Atelier zu benutzen. Es gibt wohl immer wieder mal Künstler, die für eine Weile dort arbeiten. Ich habe vor, die ganze nächste Woche mit den Leuten zu arbeiten, und auszuloten, was es für Möglichkeiten gibt für mich. Gestern nun hat sich in meinem Gehirn eine schöne Idee entwickelt, wie sich verschiedene meiner Kairo Eindrücke zu einem Werk verdichten könnten- zu einem Ausdruck in Form von Papierobjekten. Eigentlich dachte ich ja ich würde eine Färberei finden und nun habe ich eine Papierwerkstatt gefunden! 

Das passt irgendwie gut, denn ich habe angefangen das Buch "Weisse Magie - die Epoche des Papiers" zum 3. mal zu lesen. Und natürlich kam das Papier aus China über die Seidenstrasse in den Orient. Bereits im 8.Jhdt gabs in Kairo eine Papierproduktion. Es ist interessant, jedes mal wenn ich das Buch lese, tritt ein anderer Aspekt dieses unglaublichen Materials in den Vordergrund und ist gerade wichtig für mich. 

Ausserdem hatte ich heute meine erste richtige Arabischlektion. Fabrizia und ich haben uns zusammen getan um einen Privatlehrer zu engagieren. Von Bettina habe ich seine Nummer bekommen. Erst war er am Telefon sehr begeistert herzukommen und uns zu unterrichten. Dann haben wir ihm den Situationsplan von Google Maps geschickt und plötzlich war es ihm zu weit, mit dem Taxi herzureisen. Wir offerierten ihm natürlich sofort auch die Taxifahrt und Fabrizia holte ihn heute von seiner Schule ab, da sie sowieso in der Gegend was besorgen musste. Er wollte dann nur herkommen für eine erste Lektion und dann weiterschauen, wo wir uns in Zukunft treffen könnten. Und dann hat es ihm hier natürlich so sehr gefallen, im Grünen, unter Palmen, der Verkehrslärm weit weg und ein angenehmer Wind auf der Gartenterrasse, dass er jetzt den Unterricht auch weiterhin hier halten will. Uns ist es sehr recht.

Vom Unterricht erhoffe ich mir mit den Leuten auf dem Markt und im Geschäft ein bisschen sprechen zu können und vor allem zu verstehen, was sie sagen. Am Anfang hat ja alles so wie ein akustischer Brei aus Worten geklungen. Nach etwa 2 bis 3 Wochen habe ich dann einzelne Worte, die öfter vorkamen unterscheiden können.Und im Moment kann ich so kleine eingeübte Wort Pingpongs machen, wie guten Morgen wie geht's? Gut! Sehr gut! etc. Was ich auch interessant finde ist, dass gewisse Wörter gleich sind wie im Türkischen, von dem ich ja auch einige Worte und Redewendungen kenne. So gibt's in meinem Gehirn schon bestehende Anknüpfungspunkte. Das hätte ich nie erwartet. Aber die Osmanen waren ja auch ein paar hundert Jahre hier und die Sprachen haben sich gemischt.

 

 

 

Auch hier in Kairo wird es etwas herbstlicher. Die grosse Hitze hat etwas nachgelassen, dafür hat die Luftfeuchtigkeit zugenommen. Sprich: Der Schweiss rinnt immer noch genau so viel. 

Seit dem 5.9. sind nun alle Zimmer und Ateliers im Haus belegt. Virginie und Julien aus Genf sind angekommen. Sie leben und arbeiten zusammen, hier nun an ihrem Kairo Projekt. Virginie interessiert sich für Gottesanbeterinnen und will solche als beweglich Gliederpuppen herstellen und filmen. Julien ist Musiker und vertont dann später wohl ihre Videos.

Mein letztes Abenteuer war, mir mein Lieblingssommerkleid von einer Schneiderin kopieren zu lassen. Mit Robine bin ich ins Bulaq Viertel, da ist sozusagen der Stoff- und Secondhand - Kleiderhandel beheimatet. In diesem gedeckten Bazaar gibt's einen Laden neben dem andern, alle vollgepfropft mit Stoffen oder Kleidern. Vom Möbelstoff über Vorhänge bis zu feinsten Spitzenstoffen gibt's alles. Für Schneiderinnen ist es ein Paradies. Bald hatte ich 3 Stoffe gefunden, die zu mir passen. Zum Schneideratelier, das Robine von einer Freundin empfohlen wurde, gings mit dem Taxi über die 26.Juli Brücke nach Mohandesin - einem neueren Stadtteil mit vielen Bürohäusern. Die Taxifahrer finden manchmal die Adressen nicht, wenn sie einen Stadtteil nicht gut kennen und so haben wir uns dann von der Hauptstrasse her zur Schneiderin durchgefragt. Dank Robinies Arabischkenntnissen konnte der Auftrag zum Kopieren des Kleides gegeben werden und schon eine Woche später waren meine (3!) neuen Kleider abholbereit. Nun bin ich mit meinem liebsten Sommerrock ausgerüstet für die nächsten Jahre. Und! frau darf gar nicht laut sagen, was das alles gekostet hat - umgerechnet etwas mehr als Fr. 50.-- Gut! Die Ausführung ist nicht Haute Couture, aber dennoch.

Am 6.9. besuchten Fabrizia und ich ein Konzert. Das heisst, eigentlich war es die Umsetzung eines Konzertes von Oum Kulthum als Marionettenspiel. Sie war und ist immer noch die berühmteste ägyptische Sängerin - 1975 ist sie gestorben. Die Aufführung war super. Die kleinen Geiger haben mit totalem Elan gegeigt, der Tamburinspieler hat sich ins Zeug gelegt und Oum Kulthum hat in jedem Lied ihre Verzierungen über die jeweils wenigen Worte des Textes variiert. Die Zuschauer im ausverkauften Haus waren begeistert. Am Schluss traten die Puppenspieler vor den Vorhang. Der Chef, acht junge Männer und drei junge Frauen, die eine wirklich tolle Performance gezeigt hatten.

 

Gestern habe ich einen Ausflug gemacht auf die Zitadelle. Sie steht auf dem einzigen Hügel von Kairo und zum letzten mal neu aufgebaut wurde sie in der Mitte des 19. Jhdt. vom damaligen Herrscher Muhammed Ali, inklusive einer wunderschönen Moschee im osmanischen Stil. Das Bezauberndste war aber der Blick auf Kairo. Die Stadt liegt einem da zu Füssen wie ein Teppich. Und weit weg im Dunst überragen die Pyramiden von Gizeh alle Häuser. Sie erscheinen mystisch. Ich werde aber erst im Dezember hingehen, zusammen mit Lothar, wenn er mich besucht.

Links von der Bildmitte am Horizont über den Gebäuden- - scharf hingucken.

 Erlebnisreiche Tage liegen hinter mir.

Am letzten Freitag, was hierzulande der Sonntag ist, waren wir zum Frühstück eingeladen in Maadi. Das ist der am südlichsten gelegene Kairoer Stadtteil. Bettinas Adresse habe ich von unseren langjährigen Freunden Christine und Peter bekommen. Wir haben Kontakt aufgenommen, als ich noch daheim war und nun ist das nette Frühstückstreffen zustande gekommen. Bettina und ihre Familie leben in einer eindrücklich grosszügigen Wohnung in einer sehr ruhigen Strasse. Ihr Mann, der grad am biken war mit Kollegen, arbeitet seit einigen Jahren für eine Schweizerfirma in Kairo. Bettina spricht sehr gut arabisch und der Sohn besucht die amerikanische Schule in der Nähe. Nach dem Frühstück besuchten wir in Maadi einen Art Bazaar wo junge, ägyptische KünstlerInnen ihre Werke präsentierten. Ich habe länger mit einer Architektin aus Alexandria unterhalten und habe ihr schliesslich eine Zeichnung abgekauft. Bettina hat uns dann "ihren" Taxidriver angeheuert, der uns wieder nach Giza gefahren hat. Sie ist nun eingeladen uns demnächst mal auf unserer Insel zu besuchen.

Am Samstag durfte ich in einem der Eierläden (ja das gibt's hier) Fotos machen. Das Lädchen war mir schon einige Tage vorher mal aufgefallen, wegen der zu Türmen gestapelten Eierkartons vor der Tür, die zum Teil auch farbig sind. Ich kaufte da Eier und kriegte 3 Kartons geschenkt - grün, violett und pink - wunderbar. Nun durfte ich also fotografieren. 

Das alles verblasst aber neben dem 2-tägigen Prozess, das Visum für Ägypten um 3 Monate zu verlängern! 

Am Sonntagmorgen um 9 Uhr trafen wir uns in der Stadtwohnung mit Sämmän, unserem Hauswart, der uns zu dem Prozedere begleiten sollte. Die Mogamma, ein riesiges Verwaltungsgebäude befindet sich Tahrir Platz, im Zentrum von Kairo. Da mussten wir hin.

Schon vor dem Portal waren hunderte von Menschen, wartend in langen Schlangen oder hingelagert auf die Wiese oder sitzend auf Bänken. Durch dieses Portal drängelten pausenlos Menschen rein und raus. Durch die Security Schleuse gelangten dann auch wir ins Innere vom Gebäude. Auch da hunderte von Menschen, die sich in alle Richtungen durcheinander schoben. Gut hatten wir Sämmän dabei - er wusste wo wir den Pass kopieren und ein Foto machen lassen mussten. Vor der Tür zu diesem Raum drängte sich eine Menschentraube, aber Sämmän schaffte es uns sofort in den Raum reinzukriegen. Ebenfalls schaffte er es, dass wir zuerst drankamen um ein Passfoto machen zu lassen, obwohl der Raum voller Menschen war. Mit dem neuen Passfoto ausgerüstet mussten wir uns in den ersten Stock begeben. Das ging nur eingekeilt, in einen Menschenstrom der in beiden Richtungen über die Treppe floss. Oben gings dann erneut durch eine Security Schleuse in einen langen Gang.

An diesem Punkt wurde Sämmän von einem Security Mann angehalten. Er musste seine ID zeigen, mitgehen in ein Büro und wurde danach angewiesen, das Haus zu verlassen - er wolle ihn hier nie wieder sehen, meinte der Security Mann. Es war Sämmän anzusehen, dass er es mit der Angst zu tun bekam. Fabrizia und ich wiederum fürchteten jetzt natürlich um ihn. Er versprach uns, draussen vor der Türe zuwarten. Da mussten wir nun alleine weiter- Schalter 55 rief uns der Security Mann hinterher. Die Gänge waren voller Menschen, ganz Afrika war da vertreten und voll heisst voll! Wir mussten uns durchquetschen. Endlich nach 2 Gängen und um 2 Ecken sahen wir zwischen den Köpfen hindurch den Schalter 55. Den Gang entlang standen 2 lange Schlangen, eine für Männer, eine für Frauen, alle für Schalter 55! Wir stellten uns ans Ende der Frauenschlange und 30 Minuten später waren wir schon ca 30 cm vorgerückt! Fabrizia schien etwas verdächtig und wir fingen an uns zu erkundigen ob wir am richtigen Ort stehen. Manche Umstehende meinten ja, manche nein - das sein der Schalter für Arab People. Fabrizia kam auf die gute Idee Sämmän anzurufen und der sagte wir müssten zum Schalter 12. Aber wo war nun wieder Schalter 12? Sie ging los und zunächst natürlich in die falsche Richtung, ich hielt sicherheitshalber die Stellung in der Schlange. Man muss sich auch vorstellen, dass zwischen Schlange und Wand pausenlos Menschen durch den Gang drängten, in beide Richtungen! 

Endlich rief sie mich am Handy an, sie hatte Schalter 12 gefunden, der war reserviert für Nichtafrikaner. Da hier die Schlange nur kurz war erhielten wir bald das vorher ausgefüllte Formular mit dem Antrag für unsere Visa mit den von der Schalterdame ergänzten Angaben und einem Formular mit 4 Durchschlägen zurück. Nun sollten wir zur Bank gehen und bezahlen. Bank? Hier? Ja um 2 Ecken sei der eine Schalter die Bank! Ok, gefunden, nun stellte sich aber heraus, das Visum hat seit dem letzten mal um mehr als das Doppelte aufgeschlagen und ich hatte zu wenig Cash dabei, mit Karte zahlen ging auch nicht. Was jetzt? Der Banker sagte mir, dass im Parterre noch eine Bank sein, da ginge es mit Karte. Also, quetschte ich mich durch die Menschenmassen zurück zur Treppe, floss mit dem Menschenstrom die Treppe hinunter und suchte die Bank. Aber ohne Hilfe wars nicht möglich. Ich fragte einen Security Mann und der führte mich zu einem Büroraum in dem ein Bancomat stand. Aha! So konnte ich nun genügend Geld beziehen, mich wieder in den oberen Stock quetschen zur Bank und endlich bezahlen. Fabrizia war unterdessen auch noch nicht viel weiter gekommen. Bei ihr hatte die gute Frau am Schalter 12 vergessen das Antragsformular zu unterschreiben. Sie ist in der Zwischenzeit dieser Unterschrift hinterhergejagt!

Nach dem Bezahlen, zurück zu Schalter 12, wieder anstehen um die abgestempelte Quittung zu präsentieren und den Bescheid zu erhalten: morgen früh um 9.00 Uhr bei Schalter 38 den Pass abgeben und um 13.00 Uhr dann wieder abholen.

Das Abenteuer hat Stunden gedauert, Sämmän hat getreulich auf uns gewartet und ich bin anschliessend fix und foxy auf die Insel zurückgereist mit der Metro. Am Montag war dann der Pass schnell abgegeben am Schalter 38, da waren wenig Menschen. Um die Zeit bis 13.00 Uhr zu überbrücken, habe ich das Islamische Museum besucht. Wunderbar, was es da alles zu sehen gibt. Das beschreibe ich aber ein anderes mal, ich werde wieder hingehen.

Um 13.00 Uhr war der Schalter 38 bereits mit einer Menschentraube belagert. Die Vordersten spähten durch die Glasscheibe und riefen jeweils den Namen des präsentierten Passes nach hinten. So etwa: Mohammed? - keine Antwort, d.h. nicht da. Farid? usw. Und oh Wunder, bereits 5 oder 6 Namen später wurde mein Passfoto über den Köpfen gezeigt und gleich darauf jenes von Fabrizia.  Wir schnappten unsere Pässe und so standen wir bereits 15 Min. später wieder draussen auf dem Tahrir Platz. Das Visum gilt für 3 Monate. Das heisst, Anfang Dezember dürfen wir das Spiel wiederholen!

 

 

 

 

Vorgestern war ein ereignisreicher Tag. Der Wohnungsnachbar von Robine (sie ist unser Coach für Kairo) hat angeboten uns in Fustat (Old Cairo, die erste Stadt, die hier gegründet worden ist) einen Pastiker in seinem Atelier zu besuchen.  Die Stadt hat hier ganze Quartiere für Handwerker gebaut. Das einheimische Kunsthandwerk soll gefördert werden. Der Bildhauer und Kunstlehrer hat sein Atelier in der neueren der beiden Überbauungen. Sie steht auf einem riesigen Areal wo sich Werkstattgebäude an Werkstattgebäude reiht. Noch nicht alle Ateliers sind belegt. Vor allem gibt's da im Moment Töpfer und Ziegelbrenner. 

Professor Muktar Al - Nadi erwartete uns schon vor der Tür und zuerst gabs gleich mal Tee. In seinem privaten Arbeit modelliert er hauptsächlich Figürliches. Fabrizia war sehr daran interessiert wie er Gips giesst und was für Holz er bearbeitet, wenn er was in Holz macht. So gabs dann gleich eine kleine Demo. Die eine Ecke einer rosettenartigen Deckenverzierung wurde abgegossen und es wurde viel gefachsimpelt über Materialien und wie man was anpackt. Bei Gelegenheit fragte ich, ob er die Papiermanufaktur El Nafeza kenne, von der mir schon zu Ohren gekommen ist und die auch in Fustat sein soll. Er hatte schon mal sowas gehört, nannte eine ungefähre Adresse und meinte aber, die hätten wohl zugemacht oder aufgegeben. Unser Begleiter und Fahrer Mohammed schlug vor sogleich mal hinzufahren und nachzuschauen. Gesagt, getan und siehe da; in der älteren Atelierüberbauung, einige km entfernt fanden wir die Papierwerkstatt. Es st eine Nonprofit Organisation, die Gehörlosen und jungen Dorfmädchen eine Berufsperspektive ermöglichen will. Sie machen Papier aus Reisstroh (ein Abfallprodukt) und aus dem Papier dann schöne Notizbücher und Karten, Schachteln und sonst allerlei. Die Verantwortlichen waren leider nicht da, ich habe aber eine Telefonnummer bekommen und werde nächste Woche mal anrufen. Möchte gerne ein oder zwei Tage da mitarbeiten, wenn möglich. 

Natürlich haben wir Produkte gekauft und zum Abschluss des Nachmittags sassen  wir noch zusammen um ein Döner zu essen.

Dann wurde es abenteuerlich! Fabrizia und ich nahmen die Metro nach Omm el Masreen (unsere Station) und von da, weil sie viel zu tragen hatte; den Gipsabguss, Ton und einen kleinen Holzklotz, nahmen wir ein Tuc Tuc bis zur Anlegestelle der Fähre. Wir kennen aber den Weg nur zu Fuss. Der  Tuc Tuc Fahrer kannte den Weg überhaupt nicht und so  deuteten wir ihm, wie er zu fahren habe. Aber! Wir haben natürlich den Einbahnverkehr, der hier überall ist nicht bedacht. Um die nächste Ecke fanden wir uns als Geisterfahrer wieder. Ein 4-spuriger Gegenverkehr brandete uns entgegen und der Fahrer schlängelte sich im Garacho du sehr geschickt zwischen all den Autos hindurch. Alle hupten, unser Tuc Tuc auch aber niemand zuckte mit der Wimper deswegen. Na, ja! Wir kamen gut durch und mit dem Schrecken davon!

 

 

 

Das Leben auf der Insel hat sich eingependelt. Wir haben es im Griff mit dem Einkaufen und der Aufbewahrung von Lebensmitteln. Nachdem das Fladenbrot zunächst innert 1,5 Tagen zum Knäckebrot geworden ist, war dann der nächste Versuch das Brot in der Plastiktüte zu lassen - da wars dann nach 1,5 Tagen verschimmelt! Robine hat uns dann den Tipp gegeben die Brote einzufrieren und bei Bedarf über der Gasflamme aufzubacken. Das funktioniert gut. 

Gemüse und Früchte kaufen wir am täglichen Markt. Und da ist natürlich nix mit 200 gr oder so. Das mindeste was möglich ist, sind 500 gr. Das passt aber auch nicht so recht in ägyptische Denkschema, eigentlich füllen sie jedes mal mindestens 1 Kg ab und wenn sie dann kein Kleingeld haben um auf die Note rauszugeben schmeissen sie dir noch nochmals ein bis zwei Handvoll (von irgendwas) in die Tüte. So essen wir mehr oder weniger tagelang dasselbe in allen erdenklichen Varianten und manchmal mit kuriosen Einsprengseln. 

Gestern habe ich mir den Tag genommen um mal absichtslos und ohne bestimmte Ziele durch 2 Stadtteile zu spazieren. Erstens war das Zamalek, die grosse Insel im Zentrum von Kairo und zweitens Ataba das ist die Zone des Übergangs von Downtown, dem modernen Zentrum, zum islamischen Kairo. Ich wollte das ganze Gewusel einfach mal auf mich einwirken lassen.

Zamalek erinnert mich an Istanbul. Es hat viele Bäume, eine quirlige, verkehrsreiche Hautstrasse und ruhige Nebenstrassen. Ausserdem befinden sich da sehr viele Botschaften. Vor jedem 2. Haus sitzen bewaffnete Wachmänner. Ständig sieht man sich einer Knarre gegenüber. Das ist ja schon verständlich aber der kleinen Schweizerin wird's da schon etwas mulmig.

Mit dem Taxi bin ich dann zur Ataba Metro Station gefahren. Eigentlich ist da auf der Karte eine Grünfläche eingezeichnet, im Moment ist da aber eine riesige Baustelle für eine neue Metro Linie. Dahinter wird's dann sehr alt, eng und orientalisch. Es gibt unzählige Verkaufsstände. Die aus allen Gassen auf den Platz rausquellen. Ich denke es ist wie der Uschter Märt mal 1000. Das nächste mal werde ich in Begleitung da hingehen - es gibt zu viele Eindrücke für einen alleine.

 

Man beachte bitte die Kuh in der Bildmitte. Im Vordergrund ist die Metro Baustelle wo 24 Std gearbeitet wird. Das Foto habe aufgenommen von der Dachterrasse der Stadtwohnung, im 8. Stock.

 

Ich habe beschlossen einmal pro Woche eine Besichtigungstour zu machen, sei es ein Museum, ein Stadtteil oder sonst was.

Heute habe ich mich wieder meinen Farbversuchen gewidmet. Intensivstes Pink ergibt sich aus Karkade (getrocknete Hibiskusblüten). Wunderschön!

 

Langsam richtet sich mein Atelier ein. Das heisst: Es braucht ab und zu eine Ergänzung, wie ein Stück Karton oder einen 4-eckigen Rahmen um feuchtes Papier trocknen zu lassen usw. Dann steige ich jeweils zur Dachterrasse hoch, da gibt es ein Kämmerchen mit allerlei Gerümpel und Resten und Werkzeugen. Und bis jetzt habe ich noch jedes mal etwas passendes gefunden um mir das benötigte Gerät zu basteln. 

 

Am letzten Sonntag sind Fabrizia und ich ins islamische Kairo eingetaucht. Am Morgen haben wir den wunderbaren El - Azhar Park besucht. So viel grün aufs mal sieht man sonst wohl nirgends in Kairo (ausser auf unsere Insel natürlich). Anschliessend haben wir die El - Azhar Moschee besucht. Am Eingang erhielten wir noch die korrekte Kleidung verpasst. Fabrizia, die eine anliegende Hose trug erhielt einen langen Jupe und ein Kopftuch. Ich hatte zwar die richtige Hose an (weit geschnittenes Bein) aber die falsche Bluse. Deren Ärmel reichen nicht bis zum Handgelenk. Ich musste so ein zeltartiges Ding überziehen mit langen Ärmeln und eingebauter Kopfbedeckung, die nur das Gesicht frei liess. Na ja, die Moschee ist wunderbar und unser Führer wusste viel über die Geschichte und die Baustile. Angegliedert ist auch die wohl wichtigste islamische Universität, wo man heutzutage auch Medizin etc studieren kann. Nach einem kühlen Getränk haben wir uns noch ins Basar Getümmel auf der gegenüberliegenden Strassenseite gestürzt.

 

So. Da bin ich nun also schon 12 Tage hier in Kairo und erlebe täglich Neues. 

Nur schon das Einkaufen von Lebensmitteln ist ein kleines Abenteuer. Der Weg zum täglichen Markt beginnt mit einem Fussmarsch über den Feldweg zum Bootssteg, dann geht's mit dem Fährbötchen die 15 m übers Nilwasser bis zum Ufer, weiter die Treppe hoch zur Uferstrasse wo, richtungsgetrennt, Tag und Nacht ein 4-spuriger, meist hupender Verkehrsfluss fliesst. Da gilt es sich im richtigen Moment durchzuschlängeln. Wenn das alles glücklich gelungen ist, geht's nochmals um 2 Ecken zum Markt. Der ist genau so, wie man sich das vorstellt. Da gibt's Brot direkt aus der Backstube, alle Früchte und Gemüse, lebende Hühner und Enten, tote Fische und vieles mehr. Mittels Mimik und Gestik gelingt es auch in etwa das Gewünschte in der mehr oder weniger richtigen Menge zu erhalten und die Händler/innen kennen mich jetzt schon. 

Um zur Stadtwohnung zu gelangen benutzen wir die Metro, von Tür zu Tür dauert es etwas mehr als eine Stunde. Die Wohnung ist im 8.Stock eines riesigen, alten Wohnhauses der vorletzten Jahrhundertwende in Downtown Cairo. Sie ist riesig und wie das Haus, ziemlich heruntergekommen aber mit schöner Terrasse. Der Umgebungslärm ist aber ungeheuerlich, da grad nebenan eine neue Metrostation gebaut wird. Ich habe entschlossen mich auf der Insel einzurichten und für Museumsbesuche etc. zu pendeln. Auch habe ich hier auf der Insel einen schönen, grossen Arbeitstisch - den gibt's in der Stadtwohnung nicht. 

Metro fahren ist ein Erlebnis für sich. Auf jedem Bahnsteig gibt es einen bezeichneten Abschnitt für Ladies. Ich steige jeweils da ein. Im Waggon sind die Passagiere alle weiblich aber an jeder Haltestelle steigen fliegende Händler/innen zu und preisen lautstark ihre Waren an. So verwandelt sich der Frauenwaggon des Zuges in ein kleines Warenhaus. Vom Plastic-Tischtuch bis zur Augenschminke wird alles angeboten, was die muslimische Hausfrau ev noch brauchen könnte.

In dieser Woche haben wir auch schon für uns wichtige Kontakte geschlossen. Da ist Robine, eine Bernerin die Islam Wissenschaft studiert und seit vielen Jahren teils in Kairo lebt. Sie spricht natürlich perfekt arabisch und wird uns weiterhelfen, wenn wir Werkzeug oder sonst was spezielles kaufen oder eine bestimmte Adresse finden wollen. Am Mittwoch hatten wir einen Termin bei der Pro Helvetia um uns vorzustellen und unsere Adressen anzugeben. So können wir dann im September, wenn die Kunstevents wieder losgehen, die Informationen zu erhalten. Wir, das sind übrigens im Moment Fabrizia Famos aus Chur und ich. Im September wir dann noch Virginie Morillo aus Nyon anreisen.

Also - wichtige alltägliche Dinge kann ich nun bereits und einige Wege kann ich auch schon alleine gehen und so habe ich nun gestern ernsthaft angefangen zu arbeiten. Ich habe mein Atelier eingerichtet und erste Farbversuche gemacht mit Krappwurzel und Granatapfel.

Da wollte ich nun ein schönes Foto meiner neuen Wohnsituation, auf der schön grünen Nil Insel mit Namen El Qursayah, einfügen. Das ist mir leider nicht gelungen. Nach einer Stunde herumpröbeln habe ich erst mal aufgegeben.

Am letzten Freitag ist die Reise nach Kairo bereits in Genf ins Stocken gekommen! Wegen extremem Ferien - Flugverkehr ist unsere Swiss Maschine mit knapp 2 Std. Verspätung gestartet. Dadurch war der Anschlussflug ab Genf längst ohne uns weg. So kamen meine Mitstipendiatin Fabrizia Famos und ich zu einer Übernachtung in Genf auf Kosten von Swiss. Einen Tag später als geplant, erreichten wir dann endlich Kairo.

Vom Flughafen gings dann noch eine Stunde Autofahrt durch den chaotischen, hupenden, stockenden Kairoer Abendverkehr bis zur Anlegestelle vom Fährbötchen. Die Insel ist nur durch die Fähre mit dem Ufer verbunden, es gibt keine Brücke. Das heisst, unser Weg zum Einkaufen oder ins Stadtzentrum ist immer mit einer kurzen Bootsfahrt verbunden.

Im Stadtzentrum gibt es eine zweite Wohnmöglichkeit für uns. Diese Wohnung in einem riesigen alten Stadthaus haben wir vorgestern bereits besichtigt. Mal schauen, ob ich auch für eine Weile da wohnen will. Im Moment ist es so heiss, dass ich lieber auf der Insel lebe und nur für Museumsbesuche etc in die City reise.

Ich bin mittlerweile eingerichtet und kann langsam an mein Projekt denken und neugierig sein auf das was sonst noch auf mich zukommt.

Und nun ist es mir sogar gelungen das Foto zu verkleinern und einzufügen. Ich lerne.