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So. Da bin ich nun also schon 12 Tage hier in Kairo und erlebe täglich Neues. 

Nur schon das Einkaufen von Lebensmitteln ist ein kleines Abenteuer. Der Weg zum täglichen Markt beginnt mit einem Fussmarsch über den Feldweg zum Bootssteg, dann geht's mit dem Fährbötchen die 15 m übers Nilwasser bis zum Ufer, weiter die Treppe hoch zur Uferstrasse wo, richtungsgetrennt, Tag und Nacht ein 4-spuriger, meist hupender Verkehrsfluss fliesst. Da gilt es sich im richtigen Moment durchzuschlängeln. Wenn das alles glücklich gelungen ist, geht's nochmals um 2 Ecken zum Markt. Der ist genau so, wie man sich das vorstellt. Da gibt's Brot direkt aus der Backstube, alle Früchte und Gemüse, lebende Hühner und Enten, tote Fische und vieles mehr. Mittels Mimik und Gestik gelingt es auch in etwa das Gewünschte in der mehr oder weniger richtigen Menge zu erhalten und die Händler/innen kennen mich jetzt schon. 

Um zur Stadtwohnung zu gelangen benutzen wir die Metro, von Tür zu Tür dauert es etwas mehr als eine Stunde. Die Wohnung ist im 8.Stock eines riesigen, alten Wohnhauses der vorletzten Jahrhundertwende in Downtown Cairo. Sie ist riesig und wie das Haus, ziemlich heruntergekommen aber mit schöner Terrasse. Der Umgebungslärm ist aber ungeheuerlich, da grad nebenan eine neue Metrostation gebaut wird. Ich habe entschlossen mich auf der Insel einzurichten und für Museumsbesuche etc. zu pendeln. Auch habe ich hier auf der Insel einen schönen, grossen Arbeitstisch - den gibt's in der Stadtwohnung nicht. 

Metro fahren ist ein Erlebnis für sich. Auf jedem Bahnsteig gibt es einen bezeichneten Abschnitt für Ladies. Ich steige jeweils da ein. Im Waggon sind die Passagiere alle weiblich aber an jeder Haltestelle steigen fliegende Händler/innen zu und preisen lautstark ihre Waren an. So verwandelt sich der Frauenwaggon des Zuges in ein kleines Warenhaus. Vom Plastic-Tischtuch bis zur Augenschminke wird alles angeboten, was die muslimische Hausfrau ev noch brauchen könnte.

In dieser Woche haben wir auch schon für uns wichtige Kontakte geschlossen. Da ist Robine, eine Bernerin die Islam Wissenschaft studiert und seit vielen Jahren teils in Kairo lebt. Sie spricht natürlich perfekt arabisch und wird uns weiterhelfen, wenn wir Werkzeug oder sonst was spezielles kaufen oder eine bestimmte Adresse finden wollen. Am Mittwoch hatten wir einen Termin bei der Pro Helvetia um uns vorzustellen und unsere Adressen anzugeben. So können wir dann im September, wenn die Kunstevents wieder losgehen, die Informationen zu erhalten. Wir, das sind übrigens im Moment Fabrizia Famos aus Chur und ich. Im September wir dann noch Virginie Morillo aus Nyon anreisen.

Also - wichtige alltägliche Dinge kann ich nun bereits und einige Wege kann ich auch schon alleine gehen und so habe ich nun gestern ernsthaft angefangen zu arbeiten. Ich habe mein Atelier eingerichtet und erste Farbversuche gemacht mit Krappwurzel und Granatapfel.