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Vorgestern war ein ereignisreicher Tag. Der Wohnungsnachbar von Robine (sie ist unser Coach für Kairo) hat angeboten uns in Fustat (Old Cairo, die erste Stadt, die hier gegründet worden ist) einen Pastiker in seinem Atelier zu besuchen.  Die Stadt hat hier ganze Quartiere für Handwerker gebaut. Das einheimische Kunsthandwerk soll gefördert werden. Der Bildhauer und Kunstlehrer hat sein Atelier in der neueren der beiden Überbauungen. Sie steht auf einem riesigen Areal wo sich Werkstattgebäude an Werkstattgebäude reiht. Noch nicht alle Ateliers sind belegt. Vor allem gibt's da im Moment Töpfer und Ziegelbrenner. 

Professor Muktar Al - Nadi erwartete uns schon vor der Tür und zuerst gabs gleich mal Tee. In seinem privaten Arbeit modelliert er hauptsächlich Figürliches. Fabrizia war sehr daran interessiert wie er Gips giesst und was für Holz er bearbeitet, wenn er was in Holz macht. So gabs dann gleich eine kleine Demo. Die eine Ecke einer rosettenartigen Deckenverzierung wurde abgegossen und es wurde viel gefachsimpelt über Materialien und wie man was anpackt. Bei Gelegenheit fragte ich, ob er die Papiermanufaktur El Nafeza kenne, von der mir schon zu Ohren gekommen ist und die auch in Fustat sein soll. Er hatte schon mal sowas gehört, nannte eine ungefähre Adresse und meinte aber, die hätten wohl zugemacht oder aufgegeben. Unser Begleiter und Fahrer Mohammed schlug vor sogleich mal hinzufahren und nachzuschauen. Gesagt, getan und siehe da; in der älteren Atelierüberbauung, einige km entfernt fanden wir die Papierwerkstatt. Es st eine Nonprofit Organisation, die Gehörlosen und jungen Dorfmädchen eine Berufsperspektive ermöglichen will. Sie machen Papier aus Reisstroh (ein Abfallprodukt) und aus dem Papier dann schöne Notizbücher und Karten, Schachteln und sonst allerlei. Die Verantwortlichen waren leider nicht da, ich habe aber eine Telefonnummer bekommen und werde nächste Woche mal anrufen. Möchte gerne ein oder zwei Tage da mitarbeiten, wenn möglich. 

Natürlich haben wir Produkte gekauft und zum Abschluss des Nachmittags sassen  wir noch zusammen um ein Döner zu essen.

Dann wurde es abenteuerlich! Fabrizia und ich nahmen die Metro nach Omm el Masreen (unsere Station) und von da, weil sie viel zu tragen hatte; den Gipsabguss, Ton und einen kleinen Holzklotz, nahmen wir ein Tuc Tuc bis zur Anlegestelle der Fähre. Wir kennen aber den Weg nur zu Fuss. Der  Tuc Tuc Fahrer kannte den Weg überhaupt nicht und so  deuteten wir ihm, wie er zu fahren habe. Aber! Wir haben natürlich den Einbahnverkehr, der hier überall ist nicht bedacht. Um die nächste Ecke fanden wir uns als Geisterfahrer wieder. Ein 4-spuriger Gegenverkehr brandete uns entgegen und der Fahrer schlängelte sich im Garacho du sehr geschickt zwischen all den Autos hindurch. Alle hupten, unser Tuc Tuc auch aber niemand zuckte mit der Wimper deswegen. Na, ja! Wir kamen gut durch und mit dem Schrecken davon!