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 Erlebnisreiche Tage liegen hinter mir.

Am letzten Freitag, was hierzulande der Sonntag ist, waren wir zum Frühstück eingeladen in Maadi. Das ist der am südlichsten gelegene Kairoer Stadtteil. Bettinas Adresse habe ich von unseren langjährigen Freunden Christine und Peter bekommen. Wir haben Kontakt aufgenommen, als ich noch daheim war und nun ist das nette Frühstückstreffen zustande gekommen. Bettina und ihre Familie leben in einer eindrücklich grosszügigen Wohnung in einer sehr ruhigen Strasse. Ihr Mann, der grad am biken war mit Kollegen, arbeitet seit einigen Jahren für eine Schweizerfirma in Kairo. Bettina spricht sehr gut arabisch und der Sohn besucht die amerikanische Schule in der Nähe. Nach dem Frühstück besuchten wir in Maadi einen Art Bazaar wo junge, ägyptische KünstlerInnen ihre Werke präsentierten. Ich habe länger mit einer Architektin aus Alexandria unterhalten und habe ihr schliesslich eine Zeichnung abgekauft. Bettina hat uns dann "ihren" Taxidriver angeheuert, der uns wieder nach Giza gefahren hat. Sie ist nun eingeladen uns demnächst mal auf unserer Insel zu besuchen.

Am Samstag durfte ich in einem der Eierläden (ja das gibt's hier) Fotos machen. Das Lädchen war mir schon einige Tage vorher mal aufgefallen, wegen der zu Türmen gestapelten Eierkartons vor der Tür, die zum Teil auch farbig sind. Ich kaufte da Eier und kriegte 3 Kartons geschenkt - grün, violett und pink - wunderbar. Nun durfte ich also fotografieren. 

Das alles verblasst aber neben dem 2-tägigen Prozess, das Visum für Ägypten um 3 Monate zu verlängern! 

Am Sonntagmorgen um 9 Uhr trafen wir uns in der Stadtwohnung mit Sämmän, unserem Hauswart, der uns zu dem Prozedere begleiten sollte. Die Mogamma, ein riesiges Verwaltungsgebäude befindet sich Tahrir Platz, im Zentrum von Kairo. Da mussten wir hin.

Schon vor dem Portal waren hunderte von Menschen, wartend in langen Schlangen oder hingelagert auf die Wiese oder sitzend auf Bänken. Durch dieses Portal drängelten pausenlos Menschen rein und raus. Durch die Security Schleuse gelangten dann auch wir ins Innere vom Gebäude. Auch da hunderte von Menschen, die sich in alle Richtungen durcheinander schoben. Gut hatten wir Sämmän dabei - er wusste wo wir den Pass kopieren und ein Foto machen lassen mussten. Vor der Tür zu diesem Raum drängte sich eine Menschentraube, aber Sämmän schaffte es uns sofort in den Raum reinzukriegen. Ebenfalls schaffte er es, dass wir zuerst drankamen um ein Passfoto machen zu lassen, obwohl der Raum voller Menschen war. Mit dem neuen Passfoto ausgerüstet mussten wir uns in den ersten Stock begeben. Das ging nur eingekeilt, in einen Menschenstrom der in beiden Richtungen über die Treppe floss. Oben gings dann erneut durch eine Security Schleuse in einen langen Gang.

An diesem Punkt wurde Sämmän von einem Security Mann angehalten. Er musste seine ID zeigen, mitgehen in ein Büro und wurde danach angewiesen, das Haus zu verlassen - er wolle ihn hier nie wieder sehen, meinte der Security Mann. Es war Sämmän anzusehen, dass er es mit der Angst zu tun bekam. Fabrizia und ich wiederum fürchteten jetzt natürlich um ihn. Er versprach uns, draussen vor der Türe zuwarten. Da mussten wir nun alleine weiter- Schalter 55 rief uns der Security Mann hinterher. Die Gänge waren voller Menschen, ganz Afrika war da vertreten und voll heisst voll! Wir mussten uns durchquetschen. Endlich nach 2 Gängen und um 2 Ecken sahen wir zwischen den Köpfen hindurch den Schalter 55. Den Gang entlang standen 2 lange Schlangen, eine für Männer, eine für Frauen, alle für Schalter 55! Wir stellten uns ans Ende der Frauenschlange und 30 Minuten später waren wir schon ca 30 cm vorgerückt! Fabrizia schien etwas verdächtig und wir fingen an uns zu erkundigen ob wir am richtigen Ort stehen. Manche Umstehende meinten ja, manche nein - das sein der Schalter für Arab People. Fabrizia kam auf die gute Idee Sämmän anzurufen und der sagte wir müssten zum Schalter 12. Aber wo war nun wieder Schalter 12? Sie ging los und zunächst natürlich in die falsche Richtung, ich hielt sicherheitshalber die Stellung in der Schlange. Man muss sich auch vorstellen, dass zwischen Schlange und Wand pausenlos Menschen durch den Gang drängten, in beide Richtungen! 

Endlich rief sie mich am Handy an, sie hatte Schalter 12 gefunden, der war reserviert für Nichtafrikaner. Da hier die Schlange nur kurz war erhielten wir bald das vorher ausgefüllte Formular mit dem Antrag für unsere Visa mit den von der Schalterdame ergänzten Angaben und einem Formular mit 4 Durchschlägen zurück. Nun sollten wir zur Bank gehen und bezahlen. Bank? Hier? Ja um 2 Ecken sei der eine Schalter die Bank! Ok, gefunden, nun stellte sich aber heraus, das Visum hat seit dem letzten mal um mehr als das Doppelte aufgeschlagen und ich hatte zu wenig Cash dabei, mit Karte zahlen ging auch nicht. Was jetzt? Der Banker sagte mir, dass im Parterre noch eine Bank sein, da ginge es mit Karte. Also, quetschte ich mich durch die Menschenmassen zurück zur Treppe, floss mit dem Menschenstrom die Treppe hinunter und suchte die Bank. Aber ohne Hilfe wars nicht möglich. Ich fragte einen Security Mann und der führte mich zu einem Büroraum in dem ein Bancomat stand. Aha! So konnte ich nun genügend Geld beziehen, mich wieder in den oberen Stock quetschen zur Bank und endlich bezahlen. Fabrizia war unterdessen auch noch nicht viel weiter gekommen. Bei ihr hatte die gute Frau am Schalter 12 vergessen das Antragsformular zu unterschreiben. Sie ist in der Zwischenzeit dieser Unterschrift hinterhergejagt!

Nach dem Bezahlen, zurück zu Schalter 12, wieder anstehen um die abgestempelte Quittung zu präsentieren und den Bescheid zu erhalten: morgen früh um 9.00 Uhr bei Schalter 38 den Pass abgeben und um 13.00 Uhr dann wieder abholen.

Das Abenteuer hat Stunden gedauert, Sämmän hat getreulich auf uns gewartet und ich bin anschliessend fix und foxy auf die Insel zurückgereist mit der Metro. Am Montag war dann der Pass schnell abgegeben am Schalter 38, da waren wenig Menschen. Um die Zeit bis 13.00 Uhr zu überbrücken, habe ich das Islamische Museum besucht. Wunderbar, was es da alles zu sehen gibt. Das beschreibe ich aber ein anderes mal, ich werde wieder hingehen.

Um 13.00 Uhr war der Schalter 38 bereits mit einer Menschentraube belagert. Die Vordersten spähten durch die Glasscheibe und riefen jeweils den Namen des präsentierten Passes nach hinten. So etwa: Mohammed? - keine Antwort, d.h. nicht da. Farid? usw. Und oh Wunder, bereits 5 oder 6 Namen später wurde mein Passfoto über den Köpfen gezeigt und gleich darauf jenes von Fabrizia.  Wir schnappten unsere Pässe und so standen wir bereits 15 Min. später wieder draussen auf dem Tahrir Platz. Das Visum gilt für 3 Monate. Das heisst, Anfang Dezember dürfen wir das Spiel wiederholen!