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Langsam entsteht hier so etwas wie Alltag.

Mein Projekt ist gut unterwegs, ich habe schon über 60 Farbmuster an der Wand hängen. Das Farbenprojekt wird nun aber für eine Weile ruhen. Endlich, nach einem Monat habe ich den Kontakt gefunden zur Managerin von der El Nafeza Papiermanufaktur. Das ist eine Non Profit Organisation und die Managerin, Enas (Sprich in etwa Ènäs) hat das ganze gegründet. In erster Linie wollte sie einen Beitrag leisten zur gesünderen Umwelt. Im Herbst wird in Ägypten nämlich der ganze Reisstroh auf den Feldern verbrannt, was eine einzige, wochenlange, riesige Rauchwolke erzeugt. Zweitens wollte sie Arbeitsplätze schaffen für handicapierte Menschen und junge Dorfmädchen, die sonst keinerlei eigene Erwerbsmöglichkeit hätten. Der grösste Traum von Enas ist, dass jede Schule in ganz Ägypten ihr eigenes Papier herstellen würde. Umweltverschmutzung und Arbeitslosigkeit wären damit erheblich vermindert. Die Realität sieht etwas anders aus. Ein Atelier in Old Cairo (Fustat) mit einer Belegschaft von einigen gehörlosen Menschen und internationalen Volontären. Sie schöpfen Papier, bedrucken es mit Siebdruck und stellen Produkte wie Notizbücher, Karten und Couverts, Tüten, Taschen, Schachteln und Girlanden her. Die Produkte werden auch in verschiedene Länder exportiert.

Am letzten Dienstag habe ich den ganzen Tag bei El - Nafeza verbracht. Ich habe Enas über ihre Arbeit und ihre Pläne ausgefragt und sie hat mir sofort angeboten das Atelier zu benutzen. Es gibt wohl immer wieder mal Künstler, die für eine Weile dort arbeiten. Ich habe vor, die ganze nächste Woche mit den Leuten zu arbeiten, und auszuloten, was es für Möglichkeiten gibt für mich. Gestern nun hat sich in meinem Gehirn eine schöne Idee entwickelt, wie sich verschiedene meiner Kairo Eindrücke zu einem Werk verdichten könnten- zu einem Ausdruck in Form von Papierobjekten. Eigentlich dachte ich ja ich würde eine Färberei finden und nun habe ich eine Papierwerkstatt gefunden! 

Das passt irgendwie gut, denn ich habe angefangen das Buch "Weisse Magie - die Epoche des Papiers" zum 3. mal zu lesen. Und natürlich kam das Papier aus China über die Seidenstrasse in den Orient. Bereits im 8.Jhdt gabs in Kairo eine Papierproduktion. Es ist interessant, jedes mal wenn ich das Buch lese, tritt ein anderer Aspekt dieses unglaublichen Materials in den Vordergrund und ist gerade wichtig für mich. 

Ausserdem hatte ich heute meine erste richtige Arabischlektion. Fabrizia und ich haben uns zusammen getan um einen Privatlehrer zu engagieren. Von Bettina habe ich seine Nummer bekommen. Erst war er am Telefon sehr begeistert herzukommen und uns zu unterrichten. Dann haben wir ihm den Situationsplan von Google Maps geschickt und plötzlich war es ihm zu weit, mit dem Taxi herzureisen. Wir offerierten ihm natürlich sofort auch die Taxifahrt und Fabrizia holte ihn heute von seiner Schule ab, da sie sowieso in der Gegend was besorgen musste. Er wollte dann nur herkommen für eine erste Lektion und dann weiterschauen, wo wir uns in Zukunft treffen könnten. Und dann hat es ihm hier natürlich so sehr gefallen, im Grünen, unter Palmen, der Verkehrslärm weit weg und ein angenehmer Wind auf der Gartenterrasse, dass er jetzt den Unterricht auch weiterhin hier halten will. Uns ist es sehr recht.

Vom Unterricht erhoffe ich mir mit den Leuten auf dem Markt und im Geschäft ein bisschen sprechen zu können und vor allem zu verstehen, was sie sagen. Am Anfang hat ja alles so wie ein akustischer Brei aus Worten geklungen. Nach etwa 2 bis 3 Wochen habe ich dann einzelne Worte, die öfter vorkamen unterscheiden können.Und im Moment kann ich so kleine eingeübte Wort Pingpongs machen, wie guten Morgen wie geht's? Gut! Sehr gut! etc. Was ich auch interessant finde ist, dass gewisse Wörter gleich sind wie im Türkischen, von dem ich ja auch einige Worte und Redewendungen kenne. So gibt's in meinem Gehirn schon bestehende Anknüpfungspunkte. Das hätte ich nie erwartet. Aber die Osmanen waren ja auch ein paar hundert Jahre hier und die Sprachen haben sich gemischt.