Menu

Meine letzte Woche war geprägt vom orientalischen Kairo. Bettina hat mich angefragt, ob ich Lust hätte mit ihr und einer ihrer Freundinnen auf Shopping Tour zu gehen. Es sollte zur "City of the Death" und zum Khan Khalili gehen. Natürlich habe ich da sehr gerne zugesagt, denn alleine in den orientalischen Markt zu gehen macht nicht halb so viel Spass, wie mit andern zusammen. Da sie schon lange hier lebt, kennt sie auch entferntere Ecken und Läden oder Ateliers, die im 1.Stock sind. 

Mit dem privaten Taxifahrer, den sie für diesen Tag angeheuert hatte, sind wir los. Begonnen haben wir die Tour in der "City of the Death". Das ist eine riesige Gräberstadt, eigentlich ein Friedhof mit Familiengräbern. Diese Gräber oder Mausoleen müssen bewacht und gepflegt werden und so wohnen halt Wächter und ihre Familien auf den Gräbern. Manche Grabbesitzer überlassen die Mausoleen auch freiwillig armen Familien, die sonst keine Bleibe haben. Natürlich brauchen die auch Infrastruktur. Da gibt's dann eben Werkstätten und Läden und einen Bazaar. Vor allem gibt es eine Tradition, dass die Leute da Glasbläser sind. Bettina brauchte zusätzliche Gläser und sie wollte die beim Glasbläser ihres Vertrauens bestellen. Von der ca 6spurigen Ring Road gings irgendwann rechtwinklig ab, hinein in enge Gassen, zwischen die Mauern der Gräber. Die Gräber sind etwa zimmergrosse ummauerte Flächen, mit Eingangstor, eines am andern wie Reihenhäuser. Links und rechts nur sandfarbene Mauern, da wächst kein Strauch und kein Grashalm. Drei Ecken später sind wir auf einem Platz mit Moschee gelandet. Rundum den Platz sind die Glasbläser Werkstätten und einige Läden. Leider wurde grad kein Glas geblasen, aber wir durften fotografieren und Bettina konnte ihre Bestellung aufgeben.

 

Von da sind wir mit "unserem" Taxi weiter zum Khan Kalili. Es soll der grösste und älteste orientalische Markt sein. Er ist entstanden aus Karawansereien und angegliederten Verkaufslokalen, welche die Kaufleute vorübergehend mieten konnten.

Da wollte Bettina einige Dinge kaufen bei ihr persönlich bekannten Herstellern und Händlern. Der "Einstieg" in diesen Bazaar liegt gegenüber der Al Azhar Moschee. Hier ist das Angebot ziemlich touristisch. Die üblichen ägyptischen Statuen, Schmuck und allerlei Gewebtes werden da feilgeboten, alles Made in China - sagen die Einheimischen! Sobald man sich aber weiter vorwagt in die engen Gassen, wird es echt und man erblickt höchstens noch ein paar Individualtouristen. Da sind die Geschäfte meist Laden und Werkstatt in einem und befinden sich oft auch in der ersten Etage. Um sie zu finden muss man wissen, wo sie sind. 

Bettina brauchte ein Armband vom Silberschmied - 1. Etage, ein Backgammon  Spiel vom Hersteller von Dingen aus Ebenholz und Kamelknochen- ebenerdig, aber am Ende einer Sackgasse und ein rundes Messingtablett für einen orientalischen Teetisch - 1. Etage. Alle diese Werkstätten und wunderbaren Materialien zu sehen, das Handwerk zu bewundern und die Gegenstände in die Hand zu nehmen zu können ist schlichtweg umwerfend für mich. Zum Beispiel der "Ivory und Ebony" Werkstatt-Laden. Alle Gegenstände im Geschäft sind schwarz/weiss. In hohen Glasschränken stehen und liegen Figuren, Dosen, Döschen, Spielbretter und -steine. Es gibt Kämme und Bartpflegebürsten, Spazierstöcke und vieles mehr. Es ist ein einziger Augenschmaus. Die günstigeren Gegenstände sind aus Ebenholz und Kamelknochen, die teuren aus Ebenholz und Elfenbein! 

Zu sagen ist, auch heute sind die Herstellungsmethoden zum Teil immer noch mittelalterlich, es können keine Maschinen durch die engen Gassen transportiert werden. Das Handwerk kommt aus einer langen Tradition, scheint aber langsam verloren zu gehen. Das sagen wiederum die Einheimischen. 

Zum Abschluss der Shoppingtour setzten wir uns in ein Café und stärkten uns mit einem ägyptischen Käse/Gemüse Pancake. Vor der Al Azhar Moschee holte uns "unser" Taxi wieder ab.  

Ich komme mir öfter vor wie Alice im Wunderland, wenn ich in Kairo einen Stadtteil besuche.