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 Ich bemerkte soeben, dass ich meinen letzten Blogbeitrag vor mehr als einem Monat gemacht habe. Das hat natürlich seine Gründe.

Erstens war ich sehr beschäftigt im November. Ich wollte meine Ausstellung so weit wie möglich vorbereitet haben vor Lothars Ankunft am 7. Dezember. 

Zweitens mussten wir nun zweieinhalb Wochen aufs Internet verzichten. Die Insel wurde an das Glasfasernetz angeschlossen und deshalb wurde uns einfach der Hahn zugedreht. Seit Vorgestern sind wir nun wieder mit der Welt verbunden.

Wie die Dinge hierzulande funktionieren ist nun grad mein heutiges Thema. Also: Telefon und Internetleitungen sind fliegende Kabel. Die "big box" ist oben auf dem höheren Nachbarhaus. Von da gibt es fliegende Kabel zu unserer Dachterrasse und von da geht unser Kabel durch ins Mauerwerk gebohrte Löcher, ins Parterre zu einer malerischen Empfangsinstallation. Bisher war die Internetverbindung ziemlich stotternd, je nach Wetter oder was weiss ich, hatten wir Verbindung oder eben nicht. Das Beste war, als der Nachbar anfing ein Gerüst aufzustellen, weil er sein Haus ausbauen will. Den Arbeitern war unser frei hängendes Kabel im Weg - sie schnitten es kurz entschlossen durch! Bis wir dann merkten, dass es doch ein bisschen lange dauert mit dem Unterbruch und unser guter Sämmän (er hält das Haus einigermassen in Schuss) auch grad noch frei hatte dauerte es wieder mal 2-3 Tage bis der Grund der Störung herausgefunden war. Das Internetkabel ist mittlerweile an mindestens 3-5 Stellen durch die zusammengedrehten, blanken Drähte wieder ganz! Diese Stellen sind, nach alter Väter Sitte, mit schwarzem Isolierband umwickelt.

 

 

Auch meine letzten Arbeiten an meinen Ausstellungsstücken gingen, mühsamer als gedacht, voran. Um 3 Stehlen oder Sockel zu bauen, brauchte ich Tischlerplatten, Nägel, Farbe und einen Roller. Sämmän, der weiss, wo sowas zu kaufen ist hat mich begleitet. In der Nähe der uns nächstgelegenen Metrostation ist ein kleines Stadtviertel mit mehreren Anbietern von Holzprodukten wie Balken, Latten, Tischlerplatten etc. Man kann da auch auf Mass sägen lassen - na ja, ungefähr auf Mass!

Wir sind also zum Holzplatten Anbieter. Die Sägerei war offen, der zuständige Mann jedoch nirgends. Wir warteten eine Weile, dann fragten wir den Nachbarn - dieser wiederum rief dem auf der anderen Strassenseite die Frage zu und der schickte einen Gehilfen um die Hausecke. Endlich kam der Mann angeschlurft und Sämmän erklärte ihm meine Bestellung. Ich wollte 1 cm dicke Tischlerplatten. Es gab aber nur 2 cm dicke am Lager. Die wollte er mir dann andrehen. Mit 1 cm Dicke gabs nur verkrümmte Sperrholzplatten. Nach länglichen Verhandlungen und allerlei anderen Platten, die empfohlen wurden, entschloss ich mich doch die Tischlerplatte zusägen zu lassen. Die Stehlen sollen einen Grundriss von 26x26 cm haben und ein Deckblatt von natürlich auch 26x26 cm. Ich habe die Masse dann noch mit arabischen Zahlen auf meinen Zettel geschrieben so, dass der Mann sie auch lesen konnte. Bemerkenswert war, dass der Mann mich als Kundin (Frau?) keines Blickes würdigte und stets nur mit Sämmän sprach. Auch nachmessen etc. sollte Sämmän. Der dann wieder mich aufforderte das zu tun. Erst schnitt unser Säger die Seitenteile zu, dann die "quadratischen" Deckelteile. Als ich kontrollierte war das Mass in der einen Richtung 26.1 cm und in der anderen 26.3 cm. Er überprüfte und bewies wortreich, dass es genau stimmt. Ich war schon fertig mit den Nerven und wollte bloss noch in die Papierwerkstatt um endlich weiter zu machen. Wir liessen ein Taxi rufen und ich erinnerte Sämmän an die Nägel und die Farbe. Er vertröstete mich, wir müssten dieses "outside" kaufen. Mit dem Taxi also Richtung Fustat und ich glaube, er fragte den Taxifahrer unterwegs nach einem Laden mit Nägeln Ausschau zu halten. Der zuckte jedoch nur die Schultern. Im Papieratelier realisierte ich, dass die gebogenen Seitenteile nur mit Leim und Nägeln nie zu einer Stele zusammengefügt werden können. Also zurück nach Gisa um Vierkantleisten zu kaufen, die die Winkel verstärken sollten. Die liessen wir dann noch in Stücke sägen. Zu Fuss wars dann nur einige Schritte nach "outside" - was meinte - vorne an der Hauptstrasse. Ein Lädchen mit Nägeln und Farben gabs da. Sämmän bestellte grosszügig  ein Pfund 3 cm Nägel. Ich protestierte und konnte die Menge auf ein halbes Pfund und die Dimension Auf 2 cm runterhandeln. Es war aber ein hartes Stück Arbeit. Dann Farbe! Sämmän bestellte. Eine Dose wurde auf den Tresen gestellt. Ich fragte, was das für Farbe sei. Weiss - wie gewünscht! Nach kurzem nachfragen stellte sich heraus - selbstverständlich Lackfarbe. Es war nun fast nicht zu begreifen, dass ich Dispersion haben wollte. Schliesslich erhielt ich das von mir gewollte, wir nahmen dann den Minibus zurück nach Hause und ich war total erledigt. Das war Tag 1. Am nächsten Tag wollte Sämmän mir unbedingt helfen, die Stehlen zu bauen. Ich glaube, es hat 3x solange gedauert, als wenn ich es alleine gemacht hätte. Um einigermassen präzise Kanten zu erzielen musste ich mehrmals die von ihm zusammengenagelten Teile wieder auseinandernehmen. Er fand's dann etwas schwierig, mit mir zu arbeiten. Die Deckteile, die dann ja doch einiges zu gross waren und überstehen wollte er dann noch mit dem Cutter zuschneiden oder abschmirgeln. Ich lehnte das ab. Wir schafften es nicht ganz die 3 Stehlen zu bauen bis zum Ladenschluss. Aber Sämmäns Angebot mir nochmals einen Tag zu helfen lehnte ich dankend ab. Er bezweifelte noch, dass ich die Teile selber streichen könne. Ich versicherte ihm aber, dass ich dazu fähig bin.

So bin ich nun leider nicht ganz so weit mit den Vorbereitungen, wie ich das wollte. Aber jetzt geht es dann erst mal auf die Nilfahrt mit Lothar. Wir segeln mit einer Dahabeya von Luxor nach Assuan und zurück.